Musikkapelle Feldthurns 1902
Die Anfänge einer, wenn
auch sicher primitiven Blasmusik in Feldthurns scheinen ins 17.
Jahrhundert hinaufzureichen. Der Zeitschrift "Der Schlern"
1964 entnehmen wir die Mitteilung, der Brixner Fürstbischof
Paulinus Mayr, der in jüngeren Jahren in Feldthurns das Amt
des Pfarrers versehen hatte, sei im Sommer 1677 beim Pfleger Keller
über eine Bläsergruppe von 6 Mann mit einem Tusch empfangen
worden. Unter den Musikanten befand sich der Schrottbauer aus
Schrambach, der Klarinette blies, des weiteren je ein Bursch vom
Taler in Schnauders und vom Radoar in Pedratz. Diese Mitteilung
überraschte freilich, findet jedoch kräftige Unterstützung
in ähnlichen Meldungen aus verschiedenen Orten Südtirols,
die sich ab 1658 bis zu Beginn des 19 Jahrhunderts immer wieder
feststellen lassen.
Nicht unwichtig erscheint auch folgende Mitteilung, die wir dem
mittlerweile verstorbenen Simon Mayr, Schrott in Schrambach, verdanken:
In Albeins hielt sich nach 1814 ein zurückgebliebener Bläser
aus einer bayrischen Regimentskapelle auf, der Unterricht im Trompetenblasen
erteilte. Einer seiner Schüler war der Bub Augustin Plattner
vom Tenderle in Schrambach.
Nach einer von einem früheren Obmann und Schriftführer
der Musikkapelle von Feldthurns erstellten Chronik um das Musikleben
in Feldthurns, entnehmen wir, dass das erwähnte Tuschblasen
auch später noch üblich war, und zwar auch beim Pfleger,
vor allem beim Einzug von Primizianten, deren Weg von Schrambach
herauf erfolgte, da sie erst in jüngeren Zeiten am Trumbichl
begrüßt wurden. Belegt ist eine solche Tuschbegrüßung
beim Pfleger für den Jungpriester Georg Unterfrauner, genannt
Schmölzl Jörgl, der 1901 primizierte.
Schriftliche Aufzeichnungen des Altkapellmeisters Alois Sellemond,
Ziernfelder, sagen aus, dass es nach Angaben seines Vaters bzw.
Großvaters um 1850 sicher eine Blaskapelle nach heutigen
Vorstellungen gegeben hat. Eine offizielle Gründung scheint
aber erst 1860 stattgefunden zu haben. Als erster Kapellmeister
wird Lehrer Mittersackschmöhler, ein Verwandter des gleichnamigen
Komponisten, genannt. Er führte den Dirigentenstab bis 1872.
Ihm folgte der Berufskollege Johann Marzoner, unter dessen Leitung
die Blechmusig der Gemeinde am 5. Oktober 1893 bei der Installation
des neuen Pfarrers Josef Telser spielte. Die Chronik berichtete
auch von der Ausrückung der Kapelle anlässlich der Aufstellung
des großen Steinkreuzes an der vergrößerten Pfarrkirche
am 28. August 1895. Beteiligungen der Musikkapelle werden auch
bestätigt für das Herz-Jesu-Bundesfest in Bozen um 1896,
des weiteren für das Spingeser-Fest in Brixen am 29. Mai
1897.
Vom Kapellmeister Johann Marzoner stammen auch die Küh-berger-Stücklen,
mit denen man sich vor allem in Schnauders hören ließ.
Nach dem Tod Marzoners übernahm ein Bauer, wahrscheinlich
der Ziernfeldersohn Simon Sellemond, die Kapelle. Der erst Siebzehnjährige
war sehr begabt und strich auch die Geige. Zusammen mit dem Hemberger
Jaggl Jakob Gruber gelang es ihm die Kapelle hochzuhalten, nebenbei
auch ein kleines Streichorchester zu gründen, bei dem neben
seinen Brüdern auch der Onkel Hans Mayr vom Schrott in Schrambach
mitwirkte.
Sellemonds Nachfolger war Lehrer Halb(w)eis, der für Blasmusik
aber wenig übrig hatte, ja es kam soweit, dass bei einer
Prozession um 1900 gar nicht mitgegangen wurde. Dieser Missstand
änderte sich noch im selben Herbst, als Lehrer Josef Plattner
die Kapelle übernahm. Plattner schrieb eifrig Noten, sorgte
auch für Nachwuchs an Musikanten. Unter seiner Wirksamkeit
bekam die Kapelle eine Fahne, mit der man bei der Primiz des Johann
Unterfrauner vom Pfleger um 1902 erstmals ausrückte. Patin
der Fahne war Frau Anna Gustlbauer aus Brixen.
Von 1906 bis 1912 übernahm Lehrer Josef Pfaffstaller die
Kapelle. Ihn löste Karl Piffrader ab, der aber 1916 in den
Krieg zog. Durch die vielen Einberufungen war der Klangkörper
bald nicht mehr spielfähig und löste sich auf. Bei der
Primiz des Neupriesters Johann Blasbichler im Sommer 1916 war
es nur die kleine Trommel, die den Einzug begleitete.
Michael Sellemond vom Ziernfelderhof war es dann 1919, der die
Kapelle wieder auf die Beine brachte. Schon ein Jahr später
löste ihn sein Bruder Alois ab. Während man bisher einfach
im Eisacktaler Bauerngewand - rassene Toarhose, Lodenjoppe, geblümtes
Leibl, seidenes Halstuch und schwarzer Sonntagshut mit Blumenzier
- ausgerückt war, schuf man sich nun eine Art Schützenuniform
an: brauner Rock, Schnurenhut mit Adlerflaum. Bei dieser etwas
schmucklosen Kleidung blieb man bis über den 2. Weltkrieg
hinaus.
Musikkapelle 1938
Luis Sellemond war Musiker
und Dirigent mit Leib und Seele, seine Schule wirkt sich noch
heute aus. In den langen Jahren seiner Stabführung unterrichtete
er über 80 Musikanten. Er brachte den Verein auf eine anerkannte
Höhe und verstand es, ihn geschickt durch die schwere Zeit
zwischen den zwei Kriegen zu führen. Höhepunkte, die
in seiner Erfolgszeit fielen, waren vier Primizen und die Glockenweihe
vom 27. Juli 1925. Luis Sellemond vergaß es nebenbei nicht,
außer der musikalischen Umrahmung der kirchlichen Feiern
auch Konzerte und Ständchen zu geben sowie einer Törggelepartie
und dem Weinsammeln am 30. November nachzukommen.
Den 2. Weltkrieg überlebte die Kapelle mit Mühe und
Not. Er riss zwar empfindliche Lücken in die Reihen der Bläser,
dafür ging es nach 1945 rasch aufwärts. Die Beteiligung
der Kapelle am Fest der Herz-Jesu-Bundeserneuerung in Bozen am
30. Juni 1946 sowie spätere Teilnahmen bei den Bozner Messeumzügen
sind noch in Erinnerung. Dank der braven Mithilfe der Bevölkerung
gelang es, sich die neue Tracht anzuschaffen, in der man am 19.
März 1948 erstmals ausrückte. Sie besteht aus langer
schwarzer Hose, grünem Träger, geblümten Leibl,
rotseidenen Halstüchl mit Ring, dem weißen Hemd, braunem
Lodenrock und dem schwarzen Gupfhut mit schwarzer Quaste.
1959/60 wurden neue Instrumente in Normalstimmung gekauft, sicher
unter großen finanziellen Opfern. Diese Schwierigkeit gemeistert
zu haben, bleibt das Verdienst des Schrottbauern Simon Mayr. Als
eindrucksvolles Erlebnis ist auch die Beteiligung an der 150-Jahr-Feier
des Tiroler Aufstandes von 1809 im Jahre 1959 in Innsbruck zu
erwähnen.
Nach 50-jähriger Mitgliedschaft, von denen er mehr als 40
Jahre den Taktstock geführt hatte, legte Luis Sellemond 1960
die Geschicke der Kapelle in jüngere Hände, nämlich
in die des Hans Kerschbaumer, Gasser in Schnauders. Die offizielle
Übergabe erfolgte am 21. Januar 1961 bei der Generalversammlung,
anlässlich welcher auch Simon Mayr, Schrott, sein Amt als
Obmann an Josef Krapf, Tischlermeister in Schrambach, abtrat.
Eine genaue Amtsdauer der bis dahin bekannten Obmänner lässt
sich nicht rekonstruieren. Laut jüngsten Aussagen (26.02.'89)
von Peter Unterfrauner, Planklbauer aber, der von 1919 bis 1982
- also 63 Jahre - der Kapelle angehörte, war der erste Obmann:
Johann Kerschbaumer sen., Gasserbauer in Schnauders, nach ihm
er, Peter Unterfrauner, Plankl, dann Alfons Sellemond, Sägewerk,
diesen löst wiederum Ferdinand Clement, Brunner ab, dem dann
vorgenannter Simon Mayr Schrott folgte.
Nach 12 Jahren erfolgreicher Obmannschaft, legt Krapf sein Amt
Ende 1972 nieder. Ob seiner großen Verdienste - er brachte
den guten Ruf der Kapelle weit über die Grenzen des Landes
- wird er zum Ehrenobmann ernannt.
Zu seinem Nachfolger wurde der amtierende Bürgermeister,
Dr. Anton Dorfmann, Ehler Toni, bestellt. Dieser bekleidete bereits
seit 1969 das Amt des Schriftführers in der Kapelle, das
er gleichzeitig weiterführt.
Der Großteil dieser Chronik ist aus seinen zusammengetragenen
Aufzeichnungen entnommen.
1967 bei der Bundesgartenschau in Karlsruhe
Unter seiner Obmannschaft und unter der überaus dynamischen
Stabführung von Kapellmeister Hans Kerschbaumer hat die Kapelle
ihren erreichten Höhepunkt noch weiter ausbauen können.
So war die Musikkapelle eine der ersten im Lande, die von der
CBS-Wien unter Vertrag genommen wurde zur Herausgabe von zwei
Langspielplatten 1978 und 1980.
Plötzlich im Februar 1984 erkrankte Kapellmeister Kerschbaumer
schwer und die Kapelle überbrückt vier Jahre unter der
Stabführung seines Stellvertreters Hans Meraner. Anlässlich
der Generalversammlung vom 6. Dezember 1987 legte Meraner, gleichzeitig
mit Obmann Dorfmann sein Amt nieder. Zum neuen Obmann wird Konrad
Delueg, Förster, bestellt, dem bereits seit 1969 das Amt
des Obmannstellvertreters anvertraut war.
Als Aushilfskapellmeister konnte Andreas Reifer aus Pfeffersberg
gewonnen werden, da aus den eigenen Reihen keine Lösung zu
finden war. Dieser leitete die Kapelle erfolgreich weitere zwei
Jahre.
Seit seiner einstimmigen Wahl in der Generalversammlung vom 6.
Januar 1990 hat die Kapelle in Eduard Gamper wieder einen jungen
dynamischen Kapellmeister aus eigenen Reihen. Als Musikstudent
unmittelbar vor dem Abschluss des Konservatoriums in Klarinette,
bringt er das nötige Rüstzeug mit.
1977 erfolgte die Verlegung des Probelokals vom Schloss in das
gerade fertiggestellte neue Gemeindehaus.
Das eiserne Podium im Schlossgarten hat man 1966 angeschafft,
die erneuerte Fahne von 1902 wurde 1968 geweiht. Frau Sophie Magnago,
die Gattin des Altlandeshauptmannes von Südtirol, hat die
Patenschaft übernommen. Die Fahne weist auf: die Lyra, das
Bild der hl. Cäcilia und das Wappen von Feldthurns.
1988 wurden die Marketenderinnen
von bisher zwei auf vier ergänzt und tragen die erneuerte
Eisacktaler Frauenfesttracht.
Vom Oktober 1954 bis heute
beteiligte sich die Kapelle an 20 Wertungsspielen verschiedener
Art. Dabei gelang es zu erwerben: ein Diplom 2. Ranges, sechs
ersten Ranges und dreizehn Diplome ersten Ranges mit Auszeichnung.
Die Urkunde für die Beteiligung an der 25-Jahr-Feier des
Bestehens des Verbandes Südtiroler Musikkapellen in Bozen
vom 20. Mai 1973 hängt stolz neben den übrigen Auszeichnungen
hinter dem Dirigentenpult.
Unvergessen bleibt der Kapelle auch die gelungene Großveranstaltung
des Bezirksmusikfestes zum 40-jährigen Bestandsjubiläum
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen in Feldthurns am 19.
Juni 1988. 22 Kapellen aus dem Bezirk nahmen daran teil.
Diese Chronik wurde von Meraner Johann am 07.05.1990 nach eigenen und nach Vorlagen des Dr. Anton Dorfmann geschrieben. Sie wurde anlässlich eines Beitrages im Buch "Tiroler Blasmusik" verfasst.